Wie viele Schriftarten

Wie viele Schriftarten braucht ein gutes Design?

Wie viele Schriftarten braucht ein gutes Design?

Eine Schrift kann reichen. Zwei können wunderbar zusammenarbeiten. Doch fünf Schriftarten brauchen meistens erst einmal eine Teamsitzung.

Die Frage „Wie viele Schriftarten braucht mein Design?“ kommt oft spät. Meistens ist das Layout dann schon gut besucht.

Eine Schrift wirkt seriös. Eine andere wirkt freundlich. Die dritte sieht handgemacht aus. Und die vierte hat ein wunderschönes G.

Natürlich darf dieses G nicht fehlen. Schließlich hängt die Zukunft der Marke daran.

Doch gutes Design braucht keine möglichst große Schriftsammlung. Es braucht eine klare Aufgabe für jede Schrift.

Jede Schrift hat eine eigene Stimme

Stell dir dein Layout als Gespräch vor.

Eine Schrift sagt: „Hier findest du alle wichtigen Informationen.“

Die nächste erklärt: „Wir sind ein seriöses Unternehmen. Sogar unsere Büroklammern haben eine Rechtsberatung.“

Eine dritte ruft: „ANGEBOT! PARTY! VIELLEICHT GIBT ES AUCH EINE HÜPFBURG!“

Dann erscheint noch eine Handschrift. Sie flüstert etwas über Kaffee und kreative Freiheit. Dabei beschreibt sie die Lieferbedingungen für einen Kühlschrank.

Einzeln können diese Stimmen passen. Gemeinsam veranstalten sie vielleicht eine chaotische Konferenz.

Deshalb braucht dein Design eine klare Gesprächsleitung. Nicht jede Schrift muss gleichzeitig reden.

Eine Schriftfamilie bietet mehr als einen Look

Eine Schriftfamilie kann mehrere Schriftschnitte enthalten. Dazu gehören etwa normale, fette und kursive Varianten.

Denk dabei an einen Kleiderschrank. Die normale Variante trägt Alltagskleidung. Die fette Variante zieht einen Anzug an. Die kursive Variante kommt mit einem künstlerischen Schal.

Trotzdem gehören alle zur gleichen Familie.

Damit kannst du bereits verschiedene Aufgaben lösen:

  1. Eine große Überschrift zieht Aufmerksamkeit an.

  2. Eine kräftige Zwischenüberschrift gliedert den Inhalt.

  3. Ein ruhiger Fließtext unterstützt das Lesen.

  4. Eine kleine Bildunterschrift ergänzt Details.

Auch Abstände und Größen schaffen Unterschiede. Dafür brauchst du nicht jedes Mal eine neue Schriftart.

Ein langweiliges Layout wird durch fünf zusätzliche Schriften nicht automatisch spannend. Ein langweiliges Gespräch wird durch fünf weitere Gäste schließlich auch nicht besser.

Wann eine zweite Schrift sinnvoll ist

Eine zweite Schrift kann einen bewussten Kontrast schaffen. Sie sollte jedoch eine eigene Aufgabe übernehmen.

Die Überschrift darf auffallen. Der Fließtext soll sich angenehm lesen lassen.

Das ist wie bei einem guten Restaurant. Am Eingang darf jemand charmant begrüßen. Beim Essen muss niemand ständig Konfetti werfen.

Stell dir ein Theaterplakat vor.

„Der Abend der schwierigen Entscheidungen“ darf dramatisch aussehen.

„Beginn um 19 Uhr“ sollte dagegen klar lesbar sein. Niemand möchte eine dekorative Sieben mit einem Schwan verwechseln.

Wenn du Schriftarten kombinierst, verteile deshalb zuerst die Rollen. Suche erst danach die passenden Kandidaten.

Wie viele Schriftarten sind zu viel?

Eine feste Zahl beantwortet nicht jede Gestaltungsfrage. Entscheidend ist, ob die Schriften zusammenarbeiten.

Trotzdem lohnt sich bei jeder zusätzlichen Schrift ein kleines Bewerbungsgespräch.

„Was möchten Sie in diesem Layout übernehmen?“

„Ich möchte Persönlichkeit zeigen.“

„Das macht bereits die Überschrift.“

„Dann bringe ich kreative Energie.“

„Können Sie konkreter werden?“

„Mein G ist wirklich wunderschön.“

Vielen Dank. Wir melden uns.

Eine weitere Schrift kann sinnvoll sein. Vielleicht kennzeichnet sie technische Angaben oder eine besondere Rubrik.

Doch „Sie war noch im Downloadordner“ ist keine überzeugende Begründung.

Gute Typografie hilft beim Verstehen

Menschen besuchen eine Website selten wegen ihrer Schriftsammlung.

Sie möchten etwas lesen, kaufen oder herausfinden. Vielleicht suchen sie auch nur den Preis einer Pizza.

Eine klare Gestaltung erleichtert diese Suche.

Wiederkehrende Schriftstile geben Orientierung. Überschriften sehen wie Überschriften aus. Hinweise bleiben als Hinweise erkennbar.

Ändert sich die Gestaltung ständig, müssen Leser das System neu verstehen.

Sie wollten eine Pizza bestellen. Plötzlich sitzen sie in der Aufnahmeprüfung einer Kunsthochschule.

Deshalb sollte deine Typografie nicht nur interessant wirken. Sie sollte auch zum Inhalt passen.

Darf ein Layout trotzdem wild aussehen?

Natürlich. Ein Musikplakat darf andere Wege gehen als eine Anleitung zur Rücksendung.

Mehrere Schriftarten können Teil einer gestalterischen Idee sein. Auch starke Kontraste können bewusst eingesetzt werden.

Doch zwischen gestaltetem Chaos und einem geöffneten Schriftenarchiv liegt ein Unterschied.

Frage deshalb nicht nur: „Sieht das aufregend aus?“

Frage auch: „Hilft dieser Effekt meiner Botschaft?“

Eine wilde Gestaltung kann zu einem Festival passen. Beim Rücksendeformular wünschen sich Menschen vermutlich weniger Abenteuer.

So prüfst du deine Schriftauswahl

Bevor du eine weitere Schrift hinzufügst, mache diesen kurzen Test:

  1. Benenne die Aufgabe jeder Schriftfamilie.

  2. Entferne probeweise eine davon.

  3. Prüfe, ob wichtige Unterschiede verloren gehen.

  4. Teste stattdessen andere Größen und Schriftschnitte.

  5. Lies den Text in seiner tatsächlichen Anzeigegröße.

Achte außerdem auf die Reihenfolge der Aufmerksamkeit. Was fällt zuerst auf? Was folgt danach?

Wenn jedes Element auf einem Stuhl steht und winkt, fehlt vermutlich eine klare Hierarchie.

Gute Schriftwahl braucht keine große Sammlung

Wie viele Schriftarten du brauchst, hängt von deiner Gestaltung ab. Beginne mit einer Familie. Ergänze eine zweite, wenn sie eine erkennbare Aufgabe erfüllt.

Sammle im Layout keine Schriften wie Urlaubsmagnete am Kühlschrank.

Manchmal soll Typografie auffallen. Manchmal soll sie einfach ungestörtes Lesen ermöglichen.

Beides kann gutes Design sein.

Und das wunderschöne G?

Das darf in einen eigenen Ordner.

Auch Designer brauchen schließlich ein Privatleben.

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